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  • Cornelia Egg-Moewes

…hindert sie nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes (Lk 18,16)

Aktualisiert: März 5



Es gibt dieses wunderbare Video. Jeweils zwei Kinder sollen berichten, was sie voneinander unterscheidet. Aber sie erfüllen keinerlei Erwartung. Alles, was dem Betrachter sofort ins Auge fällt, spielt für die Kinder keine Rolle.

Ich war 13 Jahre alt und Konfirmandin. In meinem Kurs war ein Mädchen, das im Kinderheim lebte. Ich fand sie nett. Und wir freundeten uns an. Zögernd erzählte sie mir von sich. Die meiste Zeit verbrachten wir damit, unsere Freundschaft zu genießen.

Als ich zu Hause von ihr erzählte, meinten die Erwachsenen, das Mädchen sei dick. Ich stutzte. „Nein! Ist sie nicht!“ Doch. Sie sei dick. Das könne man sehen. Nein, ich nicht. Warum spielte das für die Erwachsenen überhaupt eine Rolle? Was war das jetzt für eine Diskussion? Ich merkte, dass in mir etwas zerbrach. Es tat weh.

Obwohl ich es nicht wollte, schaute ich seit diesem Tag meine Freundin mit anderen Augen an.

Ein Jahr später nahm ich an einem internationalen Jugendtreffen teil. Da war Debby, eine Engländerin. Sie hatte kein Problem, sich mit mir und meinem wenigen Englisch zu unterhalten. Wir verbrachten die Tage gemeinsam. Am Ende tauschten wir Adressen aus.

Beim Verabschieden machte mich eine Betreuerin darauf aufmerksam, dass Debby behindert sei. „Nein! Davon habe ich nichts bemerkt!“ Doch. Sie sei behindert, und das merke man auch. Warum sagte sie mir das jetzt? War unser Kontakt etwa nicht in Ordnung? Ich fühlte mich hilflos. Wieder zerbrach in mir etwas. Und wieder tat es weh.

Debby und ich schrieben uns eine Weile. Aber meine Unbefangenheit ihr gegenüber war verschwunden. Als der Briefwechsel einschlief, lag es nicht an Debby.

Als Erwachsene sind wir stolz auf unsere Lebenserfahrung. Und meinen, den Kindern etwas voraus zu haben. In Wirklichkeit teilen wir oft nur in für uns bekannte Kategorien ein. Dann denken wir wie in Schubladen. Um Ordnung in das eigene Leben zu bringen. Am Ende gibt es dann auch ein oben und ein unten.

Bevor wir Erwachsene eingreifen, kennen Kinder nur eine Kategorie. Und die heißt „Mensch“.

Ich stelle mir vor, Jesus ist so auf die Menschen zugegangen. Und hat mit ihnen ein Stück vom Reich Gottes gelebt.

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