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  • Cornelia Egg-Moewes

Auf dein Wort hin - Ansprache zu Lk 5, 1-11

Aktualisiert: 17. Juli 2020





I. Setz die Segel

Der junge Mann strahlte über das ganze Gesicht. Seit einer Woche hatte er sein Abi in der Tasche.

„Es ist ein wunderbares Gefühl“, erzählt er. „Nur“, und da wird sein Gesicht ernster, „es ist auch irgendwie seltsam. Bisher hab ich mich um nichts kümmern müssen. In der Schule ist praktisch alles organisiert. Aber jetzt liegt´s an mir, was draus zu machen.“

In diesem Corona-Jahr seinen Abschluss gemacht zu haben, wird immer was Besonderes bleiben.

Aber jetzt liegt´s - wie in jedem Jahr - an den jungen Menschen, was draus zu machen.

Setz die Segel und wirf dein Netz aus!

Fahr hinaus und find die Stellen, wo dein Leben tief ist, wo deine Gaben liegen - vielleicht noch verborgen, heb die Schätze, mach deinen Fang.

Und vertrau darauf: Gott wird mit in deinem Lebensboot sitzen.

II. Auf dein Wort hin will ich es tun

Solange wir leben, bleiben wir auch wie Schulabgänger. Es geht darum, dass wir was draus machen: aus den Begabungen, aus der Lebenszeit - und aus dem, was uns Jesus zutraut. Das ist Nachfolge.

Während wir noch am Ufer sitzen, kommt Jesus und steigt zu uns ins Lebensboot.

Damit wir uns die Fahrt ins Ungewisse auch selber zutrauen.

Petrus war schon lange nicht mehr im Alter eines Schulabgängers. Er war verheiratet und hatte die Schwiegermutter mit im Haus. Er trug Verantwortung für seine Familie.

Jesus traut ihm Neues zu. Er hat Großes mit ihm vor.

Und Petrus antwortet: „Auf dein Wort hin will ich mein Netz neu auswerfen“. Er setzt die Segel und fährt in ganz neue Gewässer.

III. Trial and error?

Der Fang in unsrem Lebens-Netz, also die Art, wie wir unser Leben gestalten, verändert sich mit der Zeit:

Am Anfang geht es für uns darum: Was mache ich beruflich? Will ich mit diesem/r Partner/in mein Leben teilen? Nehme ich diese Stelle an? Will ich eigene Kinder? Verändere ich meinen Wohnort? Engagiere ich mich ehrenamtlich?

Später dann: Mache ich nochmal ganz etwas Neues? Trenne ich mich von Menschen, die mir nicht gut tun? Trenne ich mich vielleicht auch von der Kirche? Verändere ich nach einer Krise meinen Lebensstil?

Und schließlich: Gehe ich vorzeitig in Rente? Übernehme ich die Pflege meiner Eltern/meines Partners? Und wie verbringe ich selber meine letzte Lebensphase?

Auf dein Wort hin, Gott, starte ich immer wieder neu. Neu ins Leben. Und ich spüre, wie es mich stärkt und trägt, dass Jesus mir seinen Auftrag zutraut.

Wirf also dein Netz aus, dort, wo es dein Leben sinnvoll macht.

Aber auch das gehört dazu:

Mancher Fang schmeckt bitter. Er wird mir ins Netz gelegt. Ich habe ihn mir nicht ausgesucht. Trotzdem muss ich jetzt die Folgen tragen.

Oder mancher Fang erweist sich als trügerisch. Ich habe große Hoffnungen in ihn gesetzt. Am Ende zerreisst er mir mein Netz. Und ich verliere alles.

Dann fehlt mir der Halt. Und ich sage wie Petrus: „Geh weg von mir, Gott. Ich ertrage deine Gegenwart nicht. Schau hin: Ich bin ein sündiger Mensch, dem man nichts anvertrauen kann.“

Und dann brauche ich einen Hafen, wo ich für eine Weile anlegen und meine Lebens-Netze waschen und flicken kann.

Ein Hafen, wo ich neu höre, was Jesus zu Petrus sagt: „Fürchte dich nicht! Du hast mein Zutrauen. Du bist mir recht - auch im Scheitern. Dein Netz wird für immer mit meinem Namen verknüpft bleiben.“

IV. Geh aus, mein Herz

Und manchmal erfahre ich, gerade nach so einer Ruhepause, wie mich Neues beflügelt. Es ist dann wie ein Lied, das in mir anklingt: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud!“

Mancher Fang erweist sich als Gottesgeschenk: Da gelingt etwas. Andre fangen an, mit am Netz zu knüpfen, geben ihre Gaben mit hinein - wie in einem Orchester.

(Anmerkung: Mitglieder des Hallertauer Kammerorchesters (gegründet 2014) gestalten den Gottesdienst mit.)

Es gibt so viele Weisen, Gottes Auftrag zu leben. Musik ist bestimmt eine seiner liebsten.

Ich glaube, wir zehren noch den ganzen Sonntag davon.

Dann starten wir in die neue Woche. Und Jesus sagt: „Fürchte dich nicht! Du hast mein Zutrauen für deinen Lebensweg.“

Und schließlich wünsche ich mir, dass wir das auch als Kirche so hören. Weil im Moment haben wir eher das Gefühl, dass das Netz zerschnitten wird durch die vielen, die die Kirche verlassen.

Ich vermute, wir stehen gerade ähnlich wie der Schulabgänger vor diesem großen Schritt hinaus ins Unbekannte. Dort, wo es nicht mehr bequem organisiert ist und wo es an uns liegt, was draus zu machen.

Es ist nicht umsonst der Kirchenfels Simon Petrus, zu dem Jesus ins Boot steigt, und den er beauftragt:

Setz die Segel, fahr hinaus und find die Stellen, wo deine Gaben liegen - vielleicht noch verborgen, du brauchst auch nicht perfekt zu sein. Ich trau´s dir zu!

Auf sein Wort hin fürchten wir uns nicht. Wir trauen ihm und uns diese Fahrt in die kommende Zeit zu. Amen.

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